Masterarbeit von Jakob Fesenbeckh

Titel des Vorhabens: Robert Loustau – Ingenieur der Modernisierung und des französischen Faschismus
Betreuung: Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern (Universität Heidelberg), Marc Olivier Baruch (EHESS)

Version française

 

Während der Wirtschaftskrise, die mit dem großen Krach der New Yorker Börse 1929 beginnt, verstärkt sich in Frankreich die Entwicklung technokratischer und korporatistischer Tendenzen. Eine große Anzahl von kommunitaristischen, technokratischen und korporatistischen Diskussionskreisen, Zeitschriften und Einflussgruppen entsteht zu Beginn der dreißiger Jahre. Diese propagieren die Überwindung der traditionellen politischen Spaltung in rechts und links und die Versöhnung zwischen den sozialen Klassen. Jean-Louis Loubet del Bayle hat das Ensemble dieser Gruppierungen als den « Non-Konformismus der dreißiger Jahre [1]» bezeichnet. Ingenieurspersönlichkeiten spielen in diesen Gruppen eine wichtige Rolle, denn man spricht ihnen dort die historische Aufgabe zu die neue Elite des industriellen Zeitalters zu verkörpern und die Krise des Liberalismus und der parlementarischen Demokratie in einer neuen korporativen Ordnung aufzuheben. Häufig interessiert sich das Milieu der Ingenieure und Modernisierer, welches  in Gruppen wie X-Crise zusammentrifft und in Zeitschriften wie L’Ordre Nouveau publiziert, für autoritäre politische Système und häufig engagieren sich die Ingenieure für organische gesellschaftliche Modelle, welche,  ihrer Vorstellung nach, von Führerpersönlichkeiten geleitet werden sollen. Laut Zeev Sternhell und Gérard Brun stellt Georges Valois Faisceau des Combattants et des Producteurs, welcher 1925 als die erste faschistische Partei Frankreichs gegründet wurde, einen Vorläufer der technokratischen und korporatistischen Bewegungen  der dreißiger Jahre dar[2]. Diese Arbeit verfolgt das Ziel die Affinität  der technischen Eliten Frankreichs der dreißiger und vierziger Jahre für politische Modelle nahe dem Faschismus zu verstehen.

Robert Loustau, Polytechniker und Mineningenieur, hat sich vom Manager und Erneuerer einiger Minen im Gebiet der Loire am Ende der zwanziger Jahre, zum « non-konformistischen » Intellektuellen im Umfeld von X-Crise und des Ordre Nouveau gewandelt. Darauf gehört er zu den intellektuellen Köpfen der Volontaires nationaux, eine Zweigstelle der nationalkonservativen Feuerkreuzler Bewegung (Croix de Feu) des Colonel de la Roque. Daraufhin wechselt er allerdings 1936 zu Jacques Doriot Parti Populaire français, einer Bewegung welche laut Forschungsstand die größte und dynamischste faschistische Bewegung Frankreichs überhaupt darstellt. Dort wird Robert Loustau zu einem  der führenden Intellektuellen und verfasst für den P.P.F. mehrere programmatische Schriften. Ab 1940 arbeitet Loustau auf verschiedenen Posten als Techniker in der Verwaltung des Vichy Regimes[3]. Die Erforschung des Werdegangs von Robert Loustau soll zu einem besseren Verständnis über die Gründe für die Affinität vieler französischer Ingenieure für autoritäre und faschistische Ideen beitragen und die Entwicklung der Ideologie der Techniker in ihrer Wirkung auf den französischen Faschismus nachzeichnen. Sie soll ermöglichen die sprachliche Spur und politische Wirkung einer technizistischen Mentalität innerhalb dieser ideologischen Formation des Bewegungsfaschismus der dreißiger Jahre, aber auch innerhalb des offiziellen Diskurses des Regimes von Vichy aufzuweisen.

Die Quellenanalyse stützt sich im Wesentlichen auf Artikel welche Robert Loustau für Ingenieurs- und Industriezeitschriften, Zeitschriften des « Nonconformismus », sowie Zeitungen der P.P.F. Presse geschrieben hat. Aber auch auf offizielle Reden des Vichy Régimes, deren Abfassung in Verbindung mit Robert Loustau steht. Eine weitere Quelle stellen Polizeiberichte der Surveillance du Territoire über den P.P.F. dar, in welchen verdeckte Ermittler Reden von Robert Loustau protokolliert haben.

 

Anmerkungen

[1] Jean-Louis LOUBET DEL BAYLE, Le non-conformisme des années trente. Une tentative de renouvellement de la pensée politique française, Paris, Seuil, 2001, 562 p.

[2] Zeev STERNHELL, Ni droite ni gauche. L’idéologie fasciste en France, Paris, Gallimard, 2012, p. 523.

Gérard BRUN, Technocrates et Technocratie en France 1918-1945, Paris, Albatros, 1985, p. 27-28.

[3] J.-P. LOUBET DEL BAYLE, Le non-conformisme…, op. cit., p. 504.

Kontakt
Jakob Fesenbeckh, JS.Fesenbeckh@hotmail.de

 

Siehe auch
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