Dissertationsprojekt von Philipp Schulte

Titel des Vorhabens:

„Es ist doch mein Bild!“[1]  Bildkonflikte, Recht am eigenen Bild und right to privacy in Deutschland und den USA, 1880-1930 (Arbeitstitel)

Betreuung: Prof. Dr. Manfred Berg (Universität Heidelberg), Prof. Dr. Rainer Maria Kiesow (EHESS)

Der Schutz von Bildern ist spätestens seit den 1880er-Jahren ein rechtliches wie kulturelles Konfliktfeld in Gesellschaften auf beiden Seiten des Atlantiks. Um die Jahrhundertwende rangen unterschiedliche Akteure wie Juristen, Fachverbände, Regierungsstellen, Presseverleger und einzelne Individuen um die Aufnahme, die Verbreitung und den Schutz von Bildern. Dabei standen sich Interessen von Fotografen, abgebildeten Personen, möglichen Auftraggebern sowie Bildmultiplikatoren entgegen. Bildkonflikte siedelten sich folglich im Spannungsfeld zwischen Urheberrecht, Schutz des Privaten, Kommodifizierung sowie Presse- und Meinungsfreiheit an. Insbesondere Porträtfotografien standen im Mittelpunkt dieser Konflikte.

In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich vergleichend anhand des Rechts am eigenen Bild in Deutschland und des right to privacy in den USA, wie Dispute über Bilder ausgehandelt wurden und welche Interessen die oben genannten Akteure dabei verfolgten. Bildkonflikte sind seit 1880 in zeitgenössischen Quellen wie Gerichtsentscheidungen, juristischen Fachartikeln, Presseberichten oder Ministerialakten überliefert. Mein besonderes Interesse gilt Streitigkeiten über die nicht-konsensuale Aufnahme und Verbreitung von Fotografien.

Die vergleichende Untersuchung der rechtswissenschaftlichen Diskurse, Rechtsprechungen und Kodifizierungen des Rechts am eigenen Bild und des right to privacy bilden den Schwerpunkt der Dissertation. Die Genese der beiden Normen werde ich in ihren rechtsgeschichtlichen Kontexten analysieren. Das heißt, dass ich sowohl die unterschiedlichen und gemeinsamen Traditionen des deutschen kodifizierten Rechts und des amerikanischen Fallrechts berücksichtige, als auch die parallele Entwicklung komplementärer Rechte wie dem Urheberrecht behandele.

Dennoch erschöpft sich die Dissertation nicht in einer reinen Rechtsgeschichte. Durch Analyse der Ausdifferenzierungen der beiden Rechte ziele ich vielmehr auf eine Kulturgeschichte, die Elemente der Politik-, Medien-, Technik- und Gendergeschichte sowie der historischen Privatheitsforschung vereint. So kann die Dissertation anhand der Rechtsentwicklungen beispielsweise Rückschlüsse ziehen auf zeitgenössische Individualitätsvorstellungen, auf die Wahrnehmung von Medienpraktiken, die gesellschaftlichen Konsequenzen von technologischen Entwicklungen oder auf die Perzeption der Frau als schützenswertes Objekt. Ziel der Dissertation ist darum nicht nur, eine Geschichte der Bildkonflikte um 1900 zu schreiben, sondern auch einen Beitrag zum Verständnis der Herausforderungen der Moderne in der amerikanischen und deutschen Gesellschaft bis in die 1930er-Jahre zu leisten.

[1] Hugo Keyßner, Das Recht am eigenen Bilde, Berlin 1896, S. 4.

 

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