Dissertationsprojekt von Philipp Glahé

Titel des Vorhabens: Amnestielobbyismus und juristische Strafbefreiungsdiskurse nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Einsatz deutscher und westalliierter Juristen für NS-Verbrecher und Kollaborateure 1944–1958

Betreuer/-in: PD Dr. Kerstin von Lingen (Universität Heidelberg), Prof. Dr. Rainer Maria Kiesow (EHESS)

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Alliierten mit einem juristischen Aufarbeitungsprogramm von NS- und Kriegsverbrechen, welche in fairen Prozessen geahndet werden sollten. Doch diese Verfahren riefen auf politischer und rechtstheoretischer Ebene schnell starke Kritik hervor. Die Schuldsprüche wurden in vielen Fällen als politisch motiviert und ungerecht wahrgenommen, sodass der Ruf nach einer Amnestierung beziehungsweise Strafbefreiung der verurteilten deutschen NS-Verbrecher und französischen Besatzungskollaborateure laut wurde. Ziel dieses Projektes soll es sein, die wichtigsten politischen und intellektuellen Protagonisten dieser Amnestie- und Strafbefreiungsbestrebungen in (West-)Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA hinsichtlich ihrer Motivation, Argumentation und Organisation zu untersuchen: die Juristen. Sie setzten sich als Anwälte, Richter oder Politiker oftmals trotz eigener Verfolgungserfahrung und Gegnerschaft zur NS-Ideologie für eine Amnestie oder Strafbefreiung ein. Die Studie will bestehende Forschungslücken schließen, indem diese bislang kaum berücksichtigten Akteure und ihr Strafbefreiungs-Diskurs in ihrem transnationalen Wirkungszusammenhang betrachtet werden. Dies soll unter Heranziehung der Biographie- und Generationstheorie sowie der Global Intellectual History und transnationalen Geschichte geschehen.

Weitere Informationen
Masterarbeit von Philipp Glahé
https://difference.hypotheses.org/1033

Kontakt
Philipp Glahé, philipp@glahe.net

Siehe auch
Liste der Doktorand/-innen
Liste ehemaliger Doktorand/-innen