Dissertationsprojekt von Christoph Streb

Titel des Vorhabens: Das Zeitalter der Publizisten. Schriftsteller und politische Affären in französischen und britischen Welten, 1760–1800
Betreuung: Prof. Dr. Roland Wenzlhuemer (Universität Heidelberg), Prof. Dr. Antoine Lilti (EHESS)

Version française

Das Promotionsprojekt untersucht den Aufstieg des Publizisten als politische Figur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Publizisten können dadurch definiert werden, dass sie in einem doppelten Sinne an die Öffentlichkeit gingen. Zum einen zeigten sie mit Hilfe von Druckmedien „Probleme“ und „Ungerechtigkeiten“ an und begründeten damit ab der Jahrhundertmitte neue publizistische Ausdrucksformen – von Medienskandalen bis hin zu politischen Reformkampagnen. Zum anderen setzten Publizisten von John Wilkes bis Jean-Paul Marat ihre eigene Person öffentlich in Szene. Durch ihren forcierten Schritt an die Öffentlichkeit sprengten sie juristische und normative Grenzen und begründeten eine spezifische Ethik der (Selbst-)Veröffentlichung.

Wie funktionierte, und was bedeutet, die Entstehung einer politischen Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert? Diese klassische Frage stellt den Interpretationshorizont des Promotionsvorhabens dar. Jürgen Habermasʼ Vorstellung von Öffentlichkeit als „Sphäre rationaler Kritik“, welche die Forschung lange geprägt hat, erweist sich aus der Perspektive der Akteure als normativ und statisch. Publizisten leiten vielmehr dazu an, Öffentlichkeit als dynamisches, medialisiertes Phänomen zu verstehen, das nicht nur auf konkreten publizistischen Handlungsweisen beruhte, sondern auch eine Bandbreite divergierender Deutungen zuließ.

Siehe auch
Liste der Doktorand/-innen
Liste ehemaliger Doktorandinnen