Dissertationsprojekt von Antonin Dubois

Titel des Vorhabens: Préserver l’élite masculine, défendre l’État-nation. Les organisations étudiantes en France et en Allemagne (1871-1914
Betreuung: Gérard Noiriel (EHESS), Katja Patzel-Mattern (Universität Heidelberg)

Version française

Das deutsche und das französische Hochschulwesen erfuhr tiefe Veränderungen während der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Regierungen und Parlamentarier engagierten sich stark in Bildungsfragen. Auch für die Studierenden war diese Periode diejenige bedeutsamer Entwicklungen und es lässt sich ein starkes Wachstum der Studentenzahlen konstatieren.

Nach 1871 wurden die Studentenorganisationen zum ersten Mal schrittweise in beiden Ländern von der politischen Macht genehmigt und sogar legitimiert. Diese Blüte ermöglichte die Bildung eines Netzes, das ich als „Raum der Studentenorganisationen“ („espace des organisations étudiantes“) zu bezeichnen vorschlage. Verschiedene Zwänge ließen diesen Raum zu einem „strukturierten Stellungsraum“ („espace structuré de positions“) werden. Der erste Zwang war die Kraft der politischen und universitären Behörden: Sie hatten die Macht, eine oder mehrere Organisationen zu verbieten. Die anderen Zwänge lagen innerhalb der Funktionsweise der Studentenorganisationen selbst: Anziehungskraft einer Organisation, Konkurrenz oder sogar frontale Opposition zwischen manchen Organisationen. Diese Zwänge entfalteten sich auf den lokalen und/oder nationalen Ebenen (innerhalb einer Universität, in verschiedenen Formen nationaler oder zum Teil nationaler Allianzen usw.)

Diese Arbeit basiert auf empirischen Forschungen. Studentenorganisationen vierer deutscher Universitäten (Berlin, Bonn, Freiburg i. B., Heidelberg) und dreier französischer Universitäten (Paris, Lille, Montpellier) wurden dafür gewählt.

Es ist die Genese und das Funktionieren dieser „Räume der Studentenorganisationen“, die in dieser Arbeit erforscht werden; in einer vergleichenden Perspektive zwischen dem französischen und dem deutschen Fall. Versucht wird es, die spezifische Logik der Studentenorganisationen mit den laufenden Veränderungen im Hochschulwesen sowie in den französischen und deutschen Gesellschaften zu verbinden (Wachstum der Studentenbevölkerung und Professionalisierung vieler intellektueller Berufe – Reproduktion der Eliten, Beginn des Frauenstudiums – Frauenfeindlichkeit und Inszenierung der Männlichkeit, ausländische und jüdische Studenten – Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus, aber auch Militärdienst, Diskussionen zum „akademischen Proletariat“ usw.) Mit dieser empirischen Forschung möchte ich zu der Geschichte der Studenten und des Hochschulwesens beitragen, aber auch generell zu der Geschichte der Eliten am Ende des 19. Jahrhunderts und ihrer Verhältnisse zu der Bildung des Nationalstaates durch die besondere Sozialisations-, Geselligkeits- und Politisierungsform der Studentenorganisation.

Siehe auch
Liste der Doktorand/-innen
Liste ehemaliger Doktorandinnen