Dissertationsprojekt von A. Maximilian Groß

Titel des Vorhabens: Die Province de la Sarre (1684/85–1697). Frühneuzeitliche Staatlichkeit in der Peripherie.

Betreuer: Prof. Dr. Thomas Maissen (Universität Heidelberg), Christophe Duhamelle (EHESS)

Das Jahrzehnt nach dem Frieden von Nimwegen (1678/79) steht im langen Schatten des darauf  folgenden Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–97). Dies mag ein Grund dafür sein, dass auch die kurzlebige Province de la Sarre, 1684/85 auf ehemals dem Heiligen Römischen Reich zugehörigen Territorien gegründet, niemals  große wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren hat. Bis heute harrt die zwölfjährige Existenz der 1697 aufgelösten Saarprovinz einer gründlichen Analyse.

Eine solche Betrachtung kann wesentliche Informationen über die Natur frühmoderner Staaten liefern. Sie verspricht, die Ergebnisse einer Begegnung französischer und deutscher Bürokratien, zwei sehr unterschiedlicher Rechts-, Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme zu beleuchten, einen Nexus von Transformation und Kontinuität. Die Beschäftigung mit der Province de la Sarre offenbart, wie eine langsam sich bürokratisierende frühneuzeitliche Staatsverwaltung in einer vom Zentrum weit entfernten und bisher fremdartigen Peripherie installiert wurde. Dabei deutet die schnelle administrative Durchdringung der neu erworbenen Territorien – bei aller Anpassung an lokale Verhältnisse – darauf hin, dass der häufig kritisierte Begriff des „Absolutismus“ einer Neubewertung würdig sein könnte.