Dissertationsprojekt von Felix Schmidt

“Die Standardisierung und Regulierung von Zeit: Zeitpolitiken und die Durchsetzung von Zeitregimen im 19. und 20. Jahrhundert” (Arbeitstitel)

Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit der Durchsetzung von standardisierten Uhrzeiten in der sich industrialisierenden Gesellschaft Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland und Frankreich. Bei der gezielten Untersuchung der konkreten Implementation neuer Uhrzeitregelungen im Alltagsleben geht es darum, ein Phänomen der Industrialisierung als greifbare Erfahrung in lokalen Kontexten zu beschreiben. Nachdem in Deutschland zunächst Eisenbahnunternehmen und dann einzelne Länder Einheitszeiten eingeführt hatten, wurde 1893 mit der Mitteleuropäischen Zeit erstmals eine reichsweite Einheitszeit beschlossen. Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, wie Staat und Verwaltung solche neuen Standardzeiten in der Gesellschaft implementiert und im Alltag flächendeckend durchgesetzt haben. Insbesondere soll dabei die Industrialisierung im ländlichen Raum betrachtet werden, um Debatten und Konflikte um neue Zeitregulierungen herauszuarbeiten; denn dort wo agrarisch-ländliche und städtisch-industrielle Zeitregelungen aufeinandertrafen, entstanden am häufigsten Schwierigkeiten, da sich auf dem Land neue, von natürlichen Phänomenen unabhängige, Zeitordnungen erst verspätet durchgesetzt haben.

Siehe auch:

http://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/philosophie/zegk/histsem/mitglieder/patzel-mattern/felixschmidt.html