Deutsch-Französisches Atelier am 18./19. Dezember 2014 in Heidelberg

Ein so nützliches wie lieb gewonnenes Ritual des Deutsch-Französischen Master- und Doktorandenprogramms in  Geschichtswissenschaften (DFMDP) sind die halbjährlichen Ateliers, die im Wechsel in Paris und Heidelberg stattfinden. Die zweite Zusammenkunft im Jahr 2014 fand im Historischen Seminar in Heidelberg statt. Studierende, Doktoranden und Lehrende erhielten einmal mehr die Gelegenheit, sich über den Stand eigener Projekte auszutauschen und dabei den binationalen Dialog zwischen den Partner-Universitäten zu pflegen.

Den ersten Ateliertag am 18. Dezember 2014 eröffneten die  Studierenden des zweiten Master-Jahrgangs, die zum Stand ihrer Forschungsprojekte für die Masterarbeit referierten.  Erstmals erprobt wurde die Aufteilung dieser Vorträge in zwei Sessions; grob unterteilt längs der Schlagworte idées, savoir, champ scientifique und politique: représentations, réseaux, mobilisations. Die Doktoranden des Programms waren zugegen und konnten den Studierenden durchweg sehr konstruktive Anregungen für die weitere Arbeit mit auf den Weg geben.

Rudolf Heinrichshofen, Einband eines selbstgefertigten Buchs zum Zeitgeschehen, um 1919 © Sammlung Prinzhorn

Rudolf Heinrichshofen, Einband eines selbstgefertigten
Buchs zum Zeitgeschehen, um
1919 © Sammlung Prinzhorn

Nach der Mittagspause diskutierten einerseits die Doktorandinnen und Doktoranden in einem eigenen Workshop ihre Dissertationsprojekte, andererseits  wohnten Studierende und Lehrende einer Führung durch die Sammlung Prinzhorn bei. Dabei handelt es sich um eine in dieser Form einzigartige Sammlung von “Kunst von Menschen mit psychischen Ausnahme-Erfahrungen”.  Der Fonds wurde von dem Heidelberger Psychiater und Kunsthistoriker Hanz Prinzhorn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begründet. Die aktuelle Ausstellung Uniform und Eigensinn. Militarismus, Weltkrieg und Kunst in der Psychiatrie widmet sich der Perspektive von Anstaltsinsassen auf den Ersten Weltkrieg. “Die Werke reagieren auf den Militarismus der damaligen Gesellschaft oder – fern ab der Front – auf den Krieg selbst”, beschreiben die Kuratoren die gezeigte Auswahl der Arbeiten. “Sie bündeln und konzentrieren wichtige gesellschaftliche Stimmungen und Themen wie in einem Brennglas oder verzerren sie zur Kenntlichkeit.” An den Besuch der Ausstellung schloss sich eine von den Studierenden selbst organisierte Lektürebesprechung an. Debattiert wurde u. a. die Frage, wodurch Selbst- und Fremdzuschreibungen wie “psychisch krank” und “wahnsinnig” geprägt wurden und werden.

Prof.  Dr. Sven Externbrink eröffnete den zweiten Ateliertag am 19. Dezember 2014 mit einem Vortrag unter dem Titel Le Mémorandum du Cardinal Richelieu du 13 avril 1630 : Guerre ou paix ?, auf dessen Grundlage sich eine grundsätzliche Diskussion zur historischen Betrachtung der Figur Richelieu entspann. Hiernach bestand für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ateliers abschließend Gelegenheit, Rückmeldungen zum Atelier und zur grundsätzlichen Organisation des deutsch-französischen Programms zu formulieren. Diese sollen nach Möglichkeit Eingang in die Beratungen zur anstehenden Studiengangsreform finden.

Einhelliges Lob gab es für den intensiven Kontakt zwischen Studierenden und Promovierenden, der in dieser Form nur während des Ateliers möglich ist und als für beide Seiten fruchtbar empfunden wurde. In der Planung zukünftiger Ateliers soll diesem Aspekt weiter Rechnung getragen werden.