Das Heidelberger Atelier auf mittelalterlichen Spuren

Wir starten mit einem Rückblick ins neue Jahr: Das Atelier (14.-16.12.) in Heidelberg bestach durch ein reiches und vielseitiges Programm, auf das wir im folgenden Beitrag noch einmal zurückblicken möchten.

Dt-frz. Geschichtsmaster Teilnehmer

Teilnehmer des Master- und Doktorandenprogramms (Stand: Herbst 2017)

Die Rezeption mittelalterlicher Geschichte bildete den thematischen Schwerpunkt des Zusammentreffens der Teilnehmer in Heidelberg. Ein erster Austausch darüber fand bereits am Donnerstagnachmittag statt und diente der Vorbereitung auf den Ausflug am Freitag, an dem die Gruppe die Richard-Löwenherz Ausstellung in Speyer besuchen, sowie dem jüdischen Lebens in Worms nachspüren würde. Die derzeit in Heidelberg Studierenden hatten im Vorfeld Texte zur Verfügung gestellt, um die entsprechenden Themenfelder inhaltlich zu erschließen und methodische Zugänge zu eröffnen. Dabei offenbarte sich unter anderem Gesprächsbedarf um den Begriff der Erinnerungskultur und seiner Definition, vor allem im Hinblick auf die Darstellung mittelalterlicher Geschichte im musealen Kontext. Des Weiteren wurde die Frage aufgeworfen, wie an die Geschichte der jüdischen Gemeinschaften des Mittelalters nach der Shoah überhaupt erinnert werden könnte und sollte.

#richardlöwenherz

Die Exkursion am Freitagmorgen begann in Speyer mit einem Besuch des Doms, wo unser Programmbeauftragter Prof. Dr. Nikolaus Jaspert die Geschichte des Ortes erläuterte, einschließlich der Kaisergruft, die bis 1308 als Grablege der römisch-deutschen Könige diente. Noch staunend über die größte erhaltene romanische Kirche der Welt, begaben wir uns dann zum einige Meter entfernten Historischen Museum der Pfalz, wo wir die vom Heidelberger Professor Bernd Schneidmüller bertreute und konzipierte Sonderausstellung zu Richard Löwenherz besuchten. Prof. Dr. Jaspert führte uns auch hier durch die Ausstellung: Er klärte uns über das Leben Richard Löwenherz und einzelne Ausstellungsstücke auf und machte auf einige museumspädagogische Vermittlungsstrategien aufmerksam, wie zum Beispiel die an Twitter angelehnte Darstellung des Dritten Kreuzzuges auf Fernsehbildschirmen.

Jüdisches Leben in Worms

Heiliger Sand

“Die Grabsteine werden nicht mehr aufgerichtet, da sie mit den toten Körpern gleichgesetzt werden, die im Judaismus nicht mehr bewegt werden dürfen“

Nach einem Abstecher auf den Speyerer Weihnachtsmarkt, erreichten wir am frühen Nachmittag Worms. Dort trafen wir uns vor dem Jüdischen Friedhof mit Amélie Sagasser, Doktorandin an der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg und Absolventin des dt.-frz. Masters. Sie führte uns durch den im 11. Jhd. angelegten und sog. „Heiligen Sand“, auf dem die letzten Bestattungen in den 1930er stattgefunden hatten. Sie unterrichtete uns über die Spezifika der Grabinschriften und Symbole und die jüdischen Bestattungsvorschriften – auch wenn der Friedhof in Worms insofern untypisch sein dürfte, da seine Grabsteine aus ungeklärten Gründen nicht nach Osten (Jerusalem) ausgerichtet sind. Anschließend ging es nach einem kurzen Zwischenstopp im Wormser Dom zu Fuß durch die Judengasse bis zur Synagoge und dem Raschi-Haus. Amélie Sagasser führte uns durch die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaute Wormser Synagoge, die 1938 im Zuge der Reichskristallnacht in Brand gesetzt worden war.

Wir möchten uns an dieser Stelle nochmal bei Amélie Sagasser für die gelungene und lehrreiche Führung durch den Friedhof und die Synagoge in Worms bedanken.

Leider reichte die Zeit am späten Nachmittag nicht mehr aus, um das Raschi-Haus ausführlicher zu besichtigen, sodass wir dort nur ein kurzes und informatives Video zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Worms schauen konnten. Auch konnte die am Donnerstag begonnene Diskussion vor dem Hintergrund der besuchten Ausstellungen leider nicht nochmal aufgegriffen werden, da in Heidelberg bereits der Alumni-Verein „HEIPAR e.V.“ mit einer besonderen Veranstaltung auf uns wartete.

HEIPAR e.V. gibt sein Debüt

HEIPAR

Die HEIPAR e.V.-Vorsitzenden  Lia Börsch und Antonin Dubois empfangen die Absolventen im Rahmen der Veranstaltung: “Doppelabschluss = doppelte Chance?”

Der im letzten Sommer gegründete Alumni-Verein trat zum ersten Mal aktiv im Rahmen des Ateliers in Erscheinung. Dieser hatte unter dem Motto „Doppeltes Diplom = doppelte Chance?“ Absolventen des Programms eingeladen, um über ihren Berufseinstieg nach Paris-Heidelberg (Master & Promotion) zu berichten. Die Studierenden konnten Fragen stellen und so entwickelte sich ein ergiebiger und ungezwungener Austausch über die Optionen nach dem Studium und worauf man je nach Land und Branche achten sollte. Vielen Dank an das„HEIPAR e.V.“-Team für die Organisation und Moderation des Abends, der mit einem Sektempfang und Büffet einen zwanglosen Abschluss fand.

Natürlich dürfen nicht die Präsentationen der Masterstudierenden und Doktoranden vergessen werden, die fester Bestandteil der halbjährig stattfindenden Ateliers sind. Erstere hatten am Donnerstag, Letztere am Samstag den Stand ihrer Arbeiten vorgestellt. Über unseren Twitter-Account lassen sich die einzelnen Projekte, sowie die Berichterstattung zum Atelier im Detail nachvollziehen.

Der Termin für das nächste Atelier in Paris steht bereits fest: Vom 5. bis zum 7. April wird es “revolutionär” – mehr sei noch nicht verraten.

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